Geschichte des Ridnauntales

Das Ridnauntal, ein 18 Kilometer langes Seitental des Eisacktals, welches bei Sterzing in letzteres mündet, ist Teil der Gemeinde Ratschings in Südtirol.

Im Süden wird das Ridnauntal durch das Gebirgsmassiv des Jaufen begrenzt, im Norden von den Stubaier Alpen. Das westliche Ende des Tals markiert der Schneeberg, der durch seine 900-jährige Bergbaugeschichte und als höchstgelegenes Bergwerk Europas bekannt wurde.

ridnauntal portraitridnauntal anfang jahrhundert

Im Ortsteil Maiern, am Ende des Ridnauntals, wurde seinerzeit das Erz aufbereitet und zum Weitertransport Richtung Sterzing fertig gemacht. Der Bergbau wurde 1978 mangels Rentabilität eingestellt, das Bergwerk 1985 endgültig geschlossen. Seit 1995 erinnert ein Bergbaumuseum mit Museumsstollen und Tagestouren zu den originalen Schneebergstollen an den Erzabbau im Ridnaungebiet.

Der Tourismus hat den Bergbau als Lebensgrundlage abgelöst. Das Tal ist sehr reizvoll, von den Berghängen stürzen malerische Wasserfälle. In Sommer und Winter sind die modernen Hotelanlagen des Tals gut ausgelastet, die Gäste erwarten interessante und wunderschöne Wanderwege, Langlaufloipen und Skigebiete.

 

maria fassnauer fotoDie wohl bekannteste Persönlichkeit aus dem Ridnauntal war Maria Fassnauer, die Ende des 19. Jahrhunderts als die Riesin von Tirol europaweit bekannt wurde.

Maria Fassnauer wurde am 28. Februar 1879 als erstes von sechs Kindern am Staudnerhof, einem Bergbauernhof im Südtiroler Ridnauntal, geboren. Ihre Eltern waren Josef und Theresia Fassnauer. Moidl, wie sie auch genannt wurde, war bis zum dritten Lebensjahr ein normales Kleinkind, danach begann ihr starkes Wachstum. Ihre Geschwister und ihre Eltern waren alle von normalen Wuchs. Ihre genaue Körpergrösse ist nicht bekannt, verschiedene Quellen geben Werte zwischen 218 und 240 cm an, wobei die Vermutung nahe liegt, dass es sich bei den hohen Werten um Übertreibungen handelt. Ihr Körpergewicht lag dabei zwischen 170 und 200 kg.

Nachdem ihre Familie sie wegen ihres Appetites kaum ernähren konnte, reiste sie zwischen 1906 und 1913 als Jahrmarktattraktion durch Österreich, Deutschland und England, wo die Menschen gegen Bezahlung die "größte Frau Europas" betrachten durften. Dabei wurde ihre natürliche Größe durch Schuhe mit hohen Absätzen und Hüten weiter erhöht. Viele Größenangaben stammen aus dieser Zeit, sind deshalb aber auch mit Vorsicht zu genießen, da die Manager der Riesin wohl absichtlich übertrieben, um das Publikum anzulocken.

Nachdem gesundheitliche Probleme und der beginnende Erste Weltkrieg weitere Reisen durch Europa unmöglich machten, verbrachte Maria Fassnauer ihre letzten Lebensjahre am heimatlichen Hof in Ridnaun. Am 4. Dezember 1917 verstarb Maria Fassnauer an Wassersucht.